Zum Beispiel Wohnen

in BUCHTIPPS / Buchtipps Interior • modern / Interior & Licht
Wojciech Czaja, Michael Hausenblas, Verlag Anton Pustet, 175 Seiten, Format 24,5 cm x 21 cm/HC

80 ungewöhnliche Hausbesuche und kein Coffeetable-Book. Dies als Warnung vorausgesandt. Geboten werden statt dessen informative Stories über die ganz besonderen Bewohner der dargestellten Wohnungen und Häuser. Auf  jeweils einer Doppelseite werden Hausherr oder Hausherrin von den Autoren mit einem Portrait im Raum vorgestellt. Der Architekturjournalist Wojciech Czaja und Designredakteur Michael Hausenblas ließen ihrer Neugierde freien Lauf…

Wohnung eines Architekturpublizisten im denkmalgeschützten Basiliskenhaus

Anekdoten zwischen Parkett und Plafond – ihre Wohngespräche führten Czaja und Hausenblas hauptsächlich in Wien und besuchten dort ganz und gar unterschiedliche Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Wirtschaft. Erfreulich unprätentiös sehen sich die Autoren selbst und die Reportagen zu ‚Zum Beispiel wohnen‘ eher als Kratzen an der äußeren Hülle und ersten Einblick. Ganz bescheiden lassen sie verlauten, dass mit jedem Anklopfen an eine Wohnungstür lediglich ein neues Puzzleteil hinzu kommt. Sie haben oft angeklopft.

Da gibt es ganz klassisch die Galeristin, deren Hauptaufenmerk auf ihren Kunst-Objekten liegt. Oder die Wiener Architektin, die zusammen Gerrit Rietvelds & Co in einem Reihenhaus der Werkbundsiedlung lebt. Lernen die Leiterin der kleinen Loos-Bar in der Wiener Innenstadt und ihre Vorlieben für Kitsch kennen und die barocke Wohn-Pracht mit eines unorthodoxen Türstehers der Wiener Disco U4. Ungewöhnlicher wird es im Haus aus Beton in Niederösterreich, im Wohnwagen einer Physikerin oder bei Peter Weibel, einem österreichischem Medienkünstler, der Möbel hasst und in seiner Wohnhülle lediglich arbeiten und lesen möchte und dessen wichtigstes ‚Möbel‘ neben einem Campingbett seine Datenspeicher sind.

Das Autorenduo lässt die Bewohner selbst zu Wort kommen, die Texte erhalten dadurch eine selten gewordene Eindringlichkeit, die sich viel interessanter liest als die Worthülsen vieler Interior-Ratgeber-Bücher. Auch inhaltlich haben die Wohnungen viel zu bieten: Falco und Empire, Hybrid aus Wohnung und Atelier, Shabby Chic mit Schotten-Tartan und einen kamerascheuen Möbelverantwortlichen, der seine Wohnung nur mit Maske vorzeigt.

Die Innenhof-Wohnung mit Fauteuil im original McLosek-Tartan-Karo
Künstler-Loft in ehemaliger Maschinenfabrik

Für wen... Für Liebhaber klarer Worte mit Interior-Faible und Voyeuristen, die zwar in die grünen Innenhöfe von Stadtgärten schauen können, denen aber die darüber liegenden Wohnungen bisher verschlossen blieben.

| spk, 089VERLAG

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