Hans Blomquist

Simple Chic

Christian Verlag, 160 Seiten, Format 26 cm x 22 cm /HC

Einrichten und Dekorieren mit natürlichen Materialien. Der Stilist und Art Director Hans Blomquist entführt uns in seine Welt der natürlichen Farben und Formen. Blomquist, normalerweise tätig für internationale, große Firmen wie Ikea, H & M Home, Gant oder Bloomingdales, zeigt im ersten Teil von Simple chic. wie er dem Alltagsstress entflieht und seine persönliche Rückzugsoase ausgestattet hat.

So eingestimmt nimmt er den Leser mit auf die Reise durch Refugien, die seinen Geist leben, aber dennoch zeitgemäßer eingerichtet sind. Der Herausgeber selbst outet sich als Antik-Fan, als Sammler und Liebhaber eines völlig unprätentiösen Wohnstils. Er pflegt die Unvollkommenheit, sei es mit einem Strauß Giersch vom Wegesra­­nd – banal, aber wirkungsvoll angeordnet in einer alten Zinkkanne – oder einer schlichten Wandbekleidung aus vergilbten alten Büchern für seine alltäglichen Stilleben. Ein Kapitel ist 'Pflanzen als Gestaltungselement' gewidmet, ein nächstes 'Ensembles', den Zusammenstellungen verschiedenster Sammelobjekte, die, vom Könner zusammengefügt, wunderbare Bilder ergeben. Farbe, Struktur und Stoffe bilden die nächsten Kapitelinhalte, danach geht’s auf die Reise von Kopenhagen bis in Frankreichs Süden...

Morbid verpackte Päckchen unter einem Glassturz

Ein Stilleben wie ein Gemälde

Es dürften Arbeitskollegen und Freunde sein, die Ihre eindrucksvollen Häuser öffnen für Blomquist und die Fotografin Debi Treloar, die sich bisher hauptsächlich durch die Fotos für Emily Chalmers und Ihre Flohmarkt-Flair-Bücher in Erinnerung brachte. Dies Projekt hier hat jedoch eine ganz andere Dimension als die netten Funky-Vintage-Büchlein. Bei Simple Chic. jetzt schon vom Buch des Jahres zu sprechen wäre ein wenig verfrüht und vielleicht auch vermessen – in jedem Fall wird es einen besonderen Platz im Regal erhalten.

Der Meister der Zusammenstellungen ist auch bei seinem eigenen Projekt dem ihm vorauseilenden Ruf gerecht geblieben. Die vorgestellten Objekte werden fundiert beschrieben – das geht über flüchtige Besuche weit hinaus. Hier hat jemand alle Türen neugierig geöffnet und überall hineingelugt um dann genau zu beschreiben und die Kamera zu lenken.

Das Haus aus dem 18. Jahrhundert von Vox Populi in Avignon

Ensemble aus Blomquists eigener Sammlung

Das rustikale Refugium, Heim einer französischen Antiquitätenhändlerin, könnte das helle Pendant zu Blomquist eigenem Wohnstil sein. Das zweite Objekt, eine alte Knopffabrik, wird bewohnt von einem Künstler und einer Trendberaterin. Hier weicht der ländlich-rustikale Wohnstil städtisch geprägter Einrichtiung mit Vintage-Anleihen. Im Industrialambiente war sogar ein kleines Mobile in Neonfarben  als Akzentgeber erlaubt... Ein Kopenhagener Architekt wohnt und arbeitet eklektisch und weist ganz und gar aufgeräumte Räumlichkeiten vor, die mit der Sammelleidenschaft der ersten Seiten nichts mehr zu tun haben, aber ebenso effektvoll wirken. Je weiter die Seiten voran schreiten, desto moderner wird das Interior – ein überraschender Spannungsbogen, dem Blomquist konsequent folgt um dann ganz zum Schluß noch eine Reise in die Vergangenheit zu wagen und die Drahtkünstlerin Vox Populi in ihrem Domizil in Avignon zu besuchen.

Keine einzige Seite die Missklang ausstrahlt, kein Objekt das schwächelt. Die  Meisterleistung eines ausgezeichneten Kreativen, den wir noch möglichst oft als Herausgeber erleben möchten.

Für wen... Für alle denen unser Headerfoto der Buch-Übersichtseite und die darauf abgebildete Schreibmaschine aus Draht gefällt. Ein Objekt von Vox Populi, das abzulichten uns seinerzeit ganz besondere Freude bereitet hat. Vox Populi – in München vertreten durch Die Vier Jahreszeiten in Deisenhofen...

| spk, 089Verlag