Scientifica

in BUCHTIPPS / Antikes / Buchtipps Vintage & Antikes / Decoratives / Fine Crafts
Georg Laue Eigenverlag München, 216 Seiten, Format 23 cm x 28,5 cm/HC, Antiquariat

Zugegebenermaßen habe ich eine extreme Schwäche für Kunst- und Wunderkammerobjekte und so ist bei der Beurteilung eines solchen Werkes natürlich Vorsicht geboten. Was der Münchner Kunsthändler Georg Laue hier jedoch herausgegeben hat, ist für Bibliophile, Sammler und Ästheten ein Kleinod. Sowohl die Qualität und Auswahl der Objekte, die inhaltliche Aufarbeitung als auch die Gestaltung des Buches selbst, sind absolut gelungen.
Als Opener begrüßt den Leser ein Kugelfisch, der am Ende des Buches in Frontalaufnahme am untersten Eck des Buches einen schelmischen-humorvollen Abschluss bildet und spätestens hier klar wird, dass der Herausgeber in der Darstellung keine üblichen kunsthistorischen Trampelpfade beschreitet.

Im wissenschaftlichen Teil von ‚Scientifica‘ entführt Professor Peter Plassmeyer in seinem Artikel „Mit der Zeit ans Ziel“ -Reisekompendien und Sonnenuhren als Ordnungsprinzipien und Orientierungshilfe, den Leser in die faszinierende Welt der Sonnenuhren, Sextanten, Himmelsgloben und astronomischen Kompendien. Begleitet wird der überaus informative Aufsatz zur Entwicklung und Geschichte dieser Messgeräte von Miniaturbildern mit Kurzbeschreibung, die sich im 2. Teil des Werkes allesamt vergrößert wieder finden und von Michael Hahn und Jens Bruchhaus wunderbar in Szene gesetzt wurden. Transparentes Papier, auf denen sich dahinter befindliche Objekte wiederholen, schafft ungewöhnliche Eindrücke. Christiane Zeiller referiert über „Gelehrte und ihre Instrumente im Bild“, Hans Georg von Chamier-Gliszinski stellt „Überlegungen zu dem Portrait eines Universalgelehrten“ an.

Äquatoriale Reise-Sonnenuhr, Augsburg 1795, Messing feuervergoldet & versilbert
Käppelin-Türmchenuhr um 1690, Chronos mit Totenkopf und wissenschaftlichem Instrument, um 1650, Zweifache Ringsonnenuhr, um 1775
Anatomische Modelle diverser Schädel mit unterschiedlichen Krankheitsbildern, 17. Jh

Meines Erachtens der faszinierendste Teil dieses Werkes: der Katalogteil, auch wenn das Substantiv Katalog hier dem, was da gezeigt wird, nicht ganz gerecht zu werden scheint … Klappsonnenuhren wurden auf alte Landkarten gestellt, wunderbare Ausschnitte zeigen die tektonische Oberfläche eines Globus, Doktor Perrins Augenmodelle erinnern an kleine kunstvolle Schalen japanischer Ästhetik. Typische Kunstkammer Ensembles finden sich genauso wie skurrile Einzelobjekte, etwa ein missgebildetes Schwein auf Ebenholzsockel. Chirurgische Instrumente wurden stilgerecht mit Schädel und Anatomiebuch fotografiert, das Ohrenmodell liegt neben seiner beschrifteten Originalschachtel und ein auf Transparentpapier gedruckter Alligator legt seine Schnauze zwischen Sonnenuhr und Proportionalzirkel.

All diese außergewöhnlichen Objekte finden sich ein weiteres Mal bei den Katalogtexten und werden hier noch einmal näher beschrieben (Herkunft, Hintergründe, etc.) Vielleicht mag dies manch einem etwas zu viel Wiederholung zu sein, aber: der Leser hat die Wirkung der wunderbaren Bilder und kann sich an anderer Stelle auf einen Blick informieren. Das ganze übrigens immer auch in Englisch. Ich habe selten einen derart liebevoll gestalteten und informativen Katalog in den Händen gehabt – absolut gelungen!

| Antje Lehner,  www.lilliundkarl.de

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