Schriftstücke • Sammlung Pedro Correa Do Lago

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Gerstenberg Verlag, 288 Seiten, Format 31,5 cm x 26 cm /HC

Manchmal hat die Sprache ausgesprochen hässliche Worte für unglaublich schöne Dinge …  Der trockene Titel „Schriftstücke –Autographen aus 7. Jahrhunderten“ wird den Laien kaum ahnen lassen, was sich tatsächlich hinter diesen so bürokratisch anmutenden Worten versteckt. Pedro Correa do Lago, einer der bedeutendsten Sammler alter Handschriften, stellt hier aus seiner Sammlung, die mittlerweile 30.000 Exemplare umfasst,  350 Briefe, Dokumente, Visitenkarten, etc. prominenter Personen der Zeitgeschichte vor. Do Lago ist Sammler mit Herz und Seele und das vorliegende Werk ist so auch beseelt von dem Wunsch die Leidenschaft für diese Liebe bei Laien zu entfachen.

Do Lago begann bereits im Alter von 11 Jahren  in Brasilien mit dem Aufbau seiner Sammlung – er bat Menschen um ihre Unterschrift.  Mit 12 Jahren verschlug es den jungen Brasilianer aufgrund der diplomatischen Tätigkeit seines Vaters nach Europa, wo er anfing Menschen zu schreiben, die er bewunderte und sie um Autographen zu bitten – er erhielt hunderte „faszinierender“ Antworten. Eine handsignierte Postkarte von Edvard Grieg tat ihr Übriges und mit 13 gab er sein Taschengeld bereits in den Londoner Fachhandlungen aus. Für all jene, die nicht so früh auf den Geschmack kamen, hat er jede Menge Ratschläge zum Aufbau einer Sammlung, über Werte, Moden, Preise und Hierarchien. So erfährt der Leser, dass der Inhalt eines Briefes von vorrangigem Interesse ist, welches jedoch proportional zum Alter des Dokumentes abnimmt. Unterschriebene Dokumente sind in Fachkreisen wesentlich wertvoller als unsignierte, was nicht weiter verwundert, aber angesichts der Tatsache, dass zum Beispiel im Mittelalter die meisten Herrscher Analphabeten waren, den Wert noch einmal um ein Vielfaches nach oben treibt. Glücklich ist also, wer sich im Besitz von Dokumenten alphabetisierter Könige befindet!


Diesen Ausführungen fügen sich 350 Dokumente bedeutender Persönlichkeiten an  von Alfons dem VII., der mit einem Löwen unterzeichnete, Karl dem V., der im 15. Jh. mit eigener Signatur unterschrieb, über Napoleon, der diverse Signaturen unter seine Dokumente setzte,  die Marquise de Pompadour, aber auch, Monet, Flaubert, Hugo, Einstein, Gandhi, Mata Hari um nur einige zu nennen. Jedem Schriftstück liegt eine kurze zeitliche Einordnung bei, sowie inhaltliche Erklärungen und nicht selten Querverbindungen zu anderen Stücken. Die Qualität des Inhalts der Kurztexte ist äußerst unterschiedlich. Nun ist ein solches Werk kein Lexikon oder gar ein Geschichtsbuch, doch an mancher Stelle habe ich eine etwas präzisere Einordnung vermisst. Denn ein Reiz der Handschriften liegt ja gerade in ihrer geschichtlichen Verortung. (Ich nehme an, dass dies auf ein hohes Bildungsselbstverständnis des Autors zurückgeht.)  Inhaltlich reichen die Dokumente von politischen Intrigen, Liebesbezeugungen, freundschaftlichen Erzählungen etc. oder ganz profanen Dingen, wie z.B. einer Weinbestellung aus der Feder Goethes.


Amüsant ist die Verbindung zwischen den ganz persönlichen Vorstellungen, die man sich von einem Prominenten macht und seinem Schriftbild. So hätte ich mir bei Casanova eine doch wesentlich leidenschaftlichere Schrift vorgestellt, zumindest ein wenig mehr Schwung – der Herr scheint aber mit wesentlich stumpferer Feder geschrieben als gelebt zu haben… Johann W. von Goethe wird seinem Ruf als Genie auch beim Schriftbild gerecht, es ist hochfliegend wie seine Gedanken. Ausgesprochen schön auch die Schriftstücke Napoleons, was ich persönlich zumindest nicht erwartet hätte, bringt man das schnöde Kriegshandwerk und Staatsgeschäft nicht gerade mit einem kunstvollen Schriftbild in Verbindung. Dies mag eine persönliche Marotte sein und Graphologen würden mich sicher eines besseres belehren, aber dieses kleine „Spielchen“ hat zusätzlich sehr viel Freude gemacht. Die Photos im Buch sind leider nicht so gelungen, die eine oder andere Handschrift als Photo-Inszenierung wäre sicher noch viel attraktiver gewesen als das schlichte, plane Ablichten. Informativ ist das Werk für Einsteiger allemal und dem Ziel, die Liebe zu den Handschriften auch in anderen zu wecken, scheint de Lago gerecht zu werden – leider wurde der visuelle Aspekt ein wenig vernachlässigt.

 al | 089verlag

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