Kunstformen der Natur

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Ernst Haeckel, Prestel Verlag, 363 Seiten, 32 cm x 24,5 cm /HC

Kunstformen der Natur. Kunstformen aus dem Meer. Zwei Werke des genialen Naturforschers und Künstlers erstmals in einem Buch zusammengefasst. Gezeigt werden die Anschauungswelten eines der führenden Zoologen und Evolutionsbiologen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts – Haeckels wichtigste Arbeiten minutiös gezeichneter einzelliger Meereswesen sowie zahlreiche kunstvolle Abbildungen aus den Ozeanen und der Natur zusammengefasst auf 135 Bildtafeln. Zwei der wichtigsten Haeckel-Kenner steuern Hintergrundwissen und Biografisches bei.

Zeichnung Ernst Haeckels von Radiolarien, den Strahlentierchen

Haeckels Farbtafeln und Naturbilder entsprechen der ornamental geleiteten Ansicht der vom Jugendstil geprägten Epoche seines Schaffens. Naturbilder waren Kulturbilder – ihre gewollt dekorative Darstellung erklärt die Faszination die seine in erster Linie wissenschaftlichen Zeichnungen auf Gestalter und Künstler ausüben. Der heute teilweise so verpönte Reiz des Dekorativen stellte zu Haeckels Zeit keinen Widerspruch da: „So kann er dann auch, ohne sich etwas zu vergeben, seine Naturformen zur Dekoration des eigenen Wohnzimmers nutzen.“ So Olaf Breidenbach im Vorwort auf Seite 10.

Kunstformen aus dem Meer, Tafel XXIII.

Es lohnt neben der Betrachtung der lithografierten Farbtafeln auch in die Essays und Hintergrundberichte zum Radiolarien-Atlas oder die ‚Kurze Anleitung zum Bildgebrauch‘ hineinzulesen, um die Begeisterung der Menschen dieser naturwissenschaftlich bewegenden Epoche zu teilen, in der Erkenntnisse und Forschungsergebnisse der Wissenschaften erstmals einer breiten Schicht zugänglich waren. Publikationen Haeckels erreichten schon damals Auflagen von 450.000 Stück allein im deutschsprachigen Raum. Die Wertschätzung Haeckels durch seine Zeitgenossen verdeutlicht ein Brief-Zitat aus dem Jahr 1862 von Max Schultze an den Künstler: „Der Atlas von 35 Tafeln ist das Schönste, was in artistischer Beziehung von naturwissenschaftlichen Werken über niedere Tiere je geleistet worden ist, und ich weiß nicht, was ich mehr an demselben bewundern soll, die Natur, welche eine solche Mannigfaltigkeit und Schönheit an Formen schuf, oder die Hand des Zeichners, welche diese Pracht auf das Papier zu bringen wusste und bei der enormen Schwierigkeit der Arbeit nicht erlahmte.“

Kunstformen der Natur, Abbildungen von Vereins-Strahlingen

Bei dem Lob und der internationalen Anerkenntnis verwundert es nicht, dass Haeckels Radiolarien-Zeichnungen als Vorbild für das monumentale Eingangstor zur Pariser Weltausstellung 1900 dienten – Abbildungen wie diese sowie Einladungskarten, Urkunden und Fotos machen das Buch über die gezeichneten Tableaus hinaus als Zeitzeugnis sehr lebendig. Warum Ernst Haeckel letztendlich Naturforscher wurde und wie es ihn beinahe zum Genre der Landschaftsmaler verschlug offenbaren weitere Seiten. Den Hauptteil des 363 Seiten umfassenden Buchs aber machen die akribisch gezeichneten wundervollen Farbtafeln aus, ein unerschöpflicher Inspirationsgeber für Künstler, Designer, Grafiker und Kunstsinnige.

Die wohl bekannteste Farbtafel Haeckels mit dem Bildnis einer Scheibenqualle

Zusatzinfos… Der Faszination Haeckels für geheimnisvolle Meeresbewohner unterliegt auch Lilli & Karl und hält zeitweise Abgüsse dieser faszinierenden Meereswesen bereit, die Buchliebchen & Rosenrot ganz alltagstauglich beispielsweise als Zettelhalter nutzen. Die Keramik-Künstlerin Barbara Kast schafft Meeresgeschöpfe aus weißem Porzellan, die Ernst Haeckels Buch entsprungen sein könnten.

| spk, 089VERLAG

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