Interior Design Review Vol. 1

in BUCHTIPPS / Buchtipps Interior • modern / Interior & Licht
Andrew Martin, teNeues Verlag, 496 Seiten, Format 32 cm x 24,5 cm / HC

Das Filmbusiness hat seine Oscars, für die Interior-Branche gilt die Aufnahme in das Andrew Martin Interior-Buch als Auszeichnung gleicher Güte. Wer drin ist im ‚Interior Design Review‘, ist drin: Im Geschäft, in den internationalen  Wohnzeitschriften und richtet die Häuser der Stars und Wohlbetuchten ein. Die Bekanntgabe der Nominierten dürfte deshalb in der Einrichtungs-Szene mit gleicher Spannung erwartet werden wie bei den Kollegen aus der Filmbranche. Die Jury setzt sich zusammen aus Lifestyle-Größen wie z.B. Musikergattin und Ex-Model Yasmin Le Bon, Starkoch Tom Aikens, Interior-Designerin und Hotelbesitzerin Anouska Hempel, Innenarchitekt Nicky Haslam, Olga Polizzi, Miteignerin der Rocco Forte Hotels und anerkannte Hoteldesignerin, Fashion-Experte Nicolas Coleridge, Alexandra Shulman, Chefredakteurin der britischen Vogue, Ex-Model Twiggy, Mode-Stylistin Elizabeth Saltzman, Vorstandchef Charles Dunstone, Kolumnistin und Autorin Candence Bushnell u.v.a.m.

Photo © Jo Ann Gamelo-Bernabe

Erstaunlich unprätenziös gestaltet sich die Aufmachung der Inneneinrichter-Chronik im Buchinnern, sie überzeugt durch Bild-Inhalte anstelle grafischer Ausstattung – auch auf allzu viel Worte wird verzichtet. Jeder der vorgestellten Einrichter wird kurz unter die Lupe genommen,Arbeits schwerpunkte und Werdegang kurz umrissen. Kleine Fotoportraits der Designer, manchmal auch des beteiligten Teams, vervollständigen das optische Bild. Den eigentlichen Buchinhalt aber bilden die Fotos der spannungsreich ausgewählten Interiors. Mit 496 Seiten erweist sich das Kompendium moderner Raumgestaltung berechtigterweise, und wie angekündigt, als Jahresbibel der international tätigen Einrichter.

Photo © Danny Cheng

Die Interiors geben sich vielfältig, zeigen sich opulent oder zeitlos schlicht, sind spektakulär, farbenprächtig oder dezent Ton in Ton. Privathäuser Kunstsinniger sind genauso vertreten wie eine Ski Lodge im Blockhausstil, eine Weinbar in Shanghai oder ein exklusives Apartement in Gstaad. Typisch amerikanisches Westküsten-Design setzt sich in behäbig-luxeriösem Stil über schnell vergängliche Moden hinweg, anderes entzückt mit trendigem, wirkungsvoll eingesetztem Mustermix. Rose Uniackes Einsendung, Siegerin 2013, bildet den Auftakt und überzeugt durch die gelungene Symbiose von antiken Erbstücken und zeitgemäß-schlichter Einrichtung unter Verwendung außergewöhnlich wertiger Materialien. Kein Objekt oder Zierrat zuviel, jedem Möbel lässt sie die optimale Wirkung im Raum zukommen.

Photo © Phil Matthews

Leider durften wir nicht ganz so wie wir wollten – die Bildrechte der Fotos waren genau reglementiert und in unseren Augen nicht unbedingt nachvollziehbar. So hätte in jedem Fall ein Foto der Preisträger-Wohnung Uniacks dazu gehört und unsere Top-Favoritin Aleksandra Laska aus Polen. Laskas beherrscht wie keine andere den spannenden Mix aus prächtiger Opulenz und spartanischen Elementen – als eine der wenigen der hier Vorgestellten trauen wir ihr zu selbst mit begrenztem Budget absolut Großartiges zu schaffen. Auch Fotos der Interior-Objekte von Apartment 9 aus Indien, der Schweizerin Federica Palacios, des Moskauers Lev Lugovskoy und der Norweger Christian’s & Hennie sowie Matrushka aus London hätten ein Foto verdient. Abgebildet sind statt dessen eine kleine Empfangshalle von Nikki Hunt, Singapore (ganz oben)sowie Danny Cheng Interiors aus Hong Kong, deren Interior beim vorgestellten Objekt in erster Linie der imposant-linearen Architektur des Raumes folgt. ‚Luxus ohne Regeln‘ lautet das Credo der Londoner Inneneinrichter Jimmie Martin & McCoy, die vorzugsweise Nightclubs, Restaurants & Hotels ausstatten. Bei dem gezeigten Objekt ganz unten handelt es sich wahrscheinlich um die Räumlichkeiten einer schwedischen Model Agentur.

Fazit: Ein inhaltliches und optisches Schwergewicht, dessen Kauf sich in jedem Fall alleine wegen seiner Fülle lohnt und sich schnell als unverzichtbares Nachschlagewerk für jeden Raumgestalter erweist. Beim wirklich kritischen Hinschauen offenbart sich die eine oder andere Schwäche  bei der Fotoauswahl. Das stört aber nicht weiter, da der Betrachter vollkommen damit beschäftigt ist die vielfältigen einzelnen Objekte aufzunehmen. Viel drin, wenig konkrete Text-Infos, was aber ausgeglichen wird durch die Kontaktangaben inklusive Internetadressen zur Selbstrecherche am Buchende. Andrew Martin ist übrigens eine der bekanntesten Einrichtungsfirmen der Welt mit Verkäufen in über 50 Ländern. Zu den bekanntesten und auffälligsten Stücken der Andrew Martin-Kollektionen gehört die Spitfire-Serie zu denen der Egg Chair in Leder, aussen vernietetes Aluminium, zählt…

| spk, 089VERLAG

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