Geschichte des Wohnens

in BUCHTIPPS / Buchtipps Vintage & Antikes / Interior & Licht
Fuhrmmann, Meteling, Rajkay, Weipert, Primus Verlag, 160 Seiten, Format 27,5 Cm X 21,5 Cm /Hc, Antiquariat

Vom Mittelalter bis heute. Beginnt die Geschichte des Wohnens im Mittelalters noch vage und scheinbar weit entrückt, gewinnt die ‚Geschichte des Wohnens vom Mittelalter bis heute’ mit Beginn der Zeitepoche ‚Die Frühe Neuzeit’ spürbar an inhaltlicher Dichte und belegbaren Fakten, um mit dem ‚Bürgerlich-industriellem Zeitalter’ der Jetztzeit nahe zu rücken.

Beklemmende Bilder lungenkranker Heimarbeiterinnen in beengten Wohnverhältnissen, oder Dienstboteneingängen mit eindeutiger Beschilderung stehen im Kontrast zu den Dokumenten bürgerlicher Prachtentfaltung, die den Familiensitz der Industriellendynastie Krupp, aber auch die moderne Küche einer mittelständischen Bürgerfamilie von 1910 zeigen. Kellerwohnung contra Stadtpalais – damit lässt sich die Entwicklungsgeschichte des Wohnens von 1800 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs treffend charakterisieren. Gleichzeitig wird mit Schilderung dieser Wohnverhältnisse eine Brücke ins 20. Jh, die Weimarer Republik und dem damit einhergehenden Durchbruch des sozialen Wohnungsbaus geschlagen. Nicht ausgespart wird das „Dritte Reich“ und der darauf folgende Neubau eines ganzen Landes, um mit einem kurzen Überblick auf zeitgemäße Wohnprojekte zu enden.

Haus eines Kleinbauern im Schwarzwald
Damals nicht zum Spielen, sondern zum spielerischen Lernen gedacht

Wer sich historische Zusammenhänge über Wohnwelten und der sie Bewohnenden erschließen möchte, der findet in ‚Geschichte des Wohnens‘ eine Fülle an Informationen – über Wohnungen und Häuser auf dem Land genauso wie in der Stadt. Das leicht verständlich geschriebene Fachbuch aus dem Primus Verlag liest sich flüssig. Den Autoren, allesamt wissenschaftliche Mitarbeiter oder Mitglieder des Lehrkörpers an deutschen Universitäten, ist der Spagat zwischen fachlicher Kompetenz und Unterhaltung ganz wunderbar gelungen. Die Bebilderung ist im Vergleich zu vielen Coffeetable-Büchern eher spärlich, aber im Gesamtzusammenhang ausreichend.

Klare Anweisungen in deutlicher Sprache

Für wen… Grundsätzlich einmal für kulturhistorisch Interessierte jeglicher Couleur. Für Antiquitätenhändler und –Käufer, die mehr erfahren möchten über die von ihnen favorisierte Zeitepoche und die Möbel, mit denen seinerzeit gelebt wurde. Für Bildungshungrige, die sich schon immer fragten wie es zur der Formulierung ‚Aufheben der Tafel’ als Synonym zur Beendigung einer Mahlzeit kam. Dazu sollte man wissen, dass Möbel bis zum 17. Jahrhundert vielfach nicht als ‚mobilis’, also ‚beweglich’ galten, sondern als fest, mit der Wandvertäfelung verbunden und dadurch zum Haus gehörigen Inventar. Tische hingegen zählten zu den ersten beweglichen Möbeln überhaupt und wurden teils nur bei Bedarf aufgestellt. Dazu wurde eine Tafel auf zwei Böcke aufgelegt. War die Mahlzeit beendet, ‚hob man die Tafel auf’, soll heißen: baute den Tisch ab. Auch Begriffe wie ‚Staat machen’ und der Zusammenhang zwischen einer ‚Bude’ und ‚Boutique’ erklären sich aus dem jeweiligen Zusammenhang. Und last, but not least eignet sich dieses Werk als Geschenk an geschichtsinteressierte Schüler und Studenten, die nicht nur trockenen Zahlen zugeneigt sind, sondern zuvor Erlerntes aus anderer Sicht vertiefen möchten – als Erinnerungsstütze ist diese ‚Geschichte des Wohnens’ unschlagbar.


Buchbesprechung | Susanne Perk-Kuhlmann, 089VERLAG

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