Gefährliche Liebschaften

in BUCHTIPPS / Buchtipps Vintage & Antikes
Jacqueline Queneau, Jean-Yves Patte, Knesebeck Verlag, 185 Seiten, Format 32cm x 24cm /HC

„Man möge vier junge Damen schicken,
die mir beim Diner Gesellschaft leisten.
Ich werde für eine Kutsche sorgen,
die gegen acht Uhr abends abholt.
Sie sollten weder prüde noch allzu keck sein,
vielleicht von beidem etwas haben,
und bitte Negligés und Häubchen tragen.“
Brief des Marquis de M. an Madame Gourdan, 28. Juni 1783

Eines der bezeichnenden Zitate, mit denen sich dieses wunderbare Buch über Frankreich zu Zeiten der Libertins schmückt. Selten gelingt die Zusammenarbeit zwischen Photograph, Stylist und Texter in einem Maße wie hier geschehen. Die Stylistin Caroline Lebeau erschuf authentisch wirkende historische Szenerien ohne musealen Charakter, die perfekt mit den Texten der Autoren harmonieren und von Alexandre Bailhache ins rechte Licht gerückt wurden.

Alles dreht sich um Lust, Liebe, Leidenschaft und Eroberung, dem Fokus des libertinären Gesellschaftsspiel jener Zeit: der Libertin, Gegenspieler des frömmelnden Bürgers, Hauptfeind der Kirche und Hedonist par excellance, widersetzte sich der herrschende Moralauffassung, erhob die Kunst der Verführung zu einer existenziellen Frage gesellschaftlicher Reputation. Die Autoren entführen den Leser in diese Welt, sie gewähren Einblicke in die Liebesnester jener Zeit – Grotten, Kutschen, Gärten, ja sogar Kirchen reizten die Libertins. Sie erzählen über die Aufklärung im Dienste der Libido: „Wenn Elektrizität Pfeilspitzen umleiten kann, können die Gefühle einer Frau, deren Haar man elektrisiert hat, dann nicht ebenso in eine andere Richtung gelenkt werden?“ und von den lustvollen Diners in den „erhitzender“ Pfeffer mit Venusbrüstchen und aphrodisierenden Artischocken um die Gunst der Gäste buhlen.

Amüsant die Utensilien, wie das Opernglas, mit dem der geneigte Besucher sozusagen um die Ecke schauen konnte, ohne sich dem Verdacht auszusetzen, er sei ein Voyeur … oder die kleinen Porzellanhülsen, in denen Liebesbriefe, ein unverzichtbares Mittel der Verführung, auf die Reise geschickt wurden. ‚Gefährliche Liebschaften‘ als humorvolles, historisches Sittengemälde jener Zeit, garniert mit Poesie und ausgesprochen schönen Bildern, auch wenn letztere nicht alle gleichermaßen gelungen sind, ein absolut außergewöhnliches Buch, bei dem sich das Lesen und Schauen so lustvoll gestaltet wie das Sujet selbst. Moderne Libertins und Freigeister wird das Geheimbrevier am Ende des Werkes wenig überraschen.

 |  al, www.lilliundkarl.de

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