Frauen und ihre Schlösser

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Jeannette Gräfin Beissel Von Gymnich, Knesebeck Verlag, 192 Seiten, Format 27,4 x 21,5 cm/ HC

Mehr als Glanz und Gloria. Wie Gräfinnen und Prinzessinnen in den Adelssitzen früherer Vorfahren heute leben und was getan werden muss um den Fortbestand dieser geschichtsträchtigen Schlösser und Landsitze zu sichern… Neunzehn adelige Damen geben den Schlüssel zu ihren Refugien aus der Hand und gewähren Einblicke hinter die Fassaden historischer Gebäude, die sonst der Öffentlichkeit größtenteils verborgen bleiben. Jeannette Gräfin Beissel von Gymnich erweist sich bei dem Rundgang durch deutsche Schlösser als integre Fragestellerin und erzählt souverän von den Geschicken ihrer Bewohnerinnen.

Das ‘Schwedenzimmer’, eine Turmsuite auf dem Anwesen der Schlossruine Hertefeld, kann gemietet werden

Neunzehn Kapitel die dem jeweiligen Schloss und seiner Schlossherrin gewidmet sind und mal mehr und mal weniger Blick hinter die altehrwürdigen Gemäuer freigeben. Sabine Freifrau von Süsskind etwa inzeniert sich bei Renovierungsarbeiten und gewährt einen Blick vom Esszimmer in die Gartenanlage – ansonsten aber wird der lesende Besucher in den eindrucksvollen Park, mit Gong-Brücke und überdimensionierter Kräuterspirale im ‚Persischen Garten‘, verwiesen. Zeigefreudiger erweist sich die Expertin für Alte Kunst des Kunst- und Auktionshauses Lempertz Mariana M. de Hanstein im Haus Busch, dem ruhigen Wochenend-Landsitz der Familie. Als eine der wenigen Hausherrinen stellt sie der traditionellen Einrichtung prägend moderne Impulse entgegen und kombiniert Bulthaups Werkbank aus den 90ern mit einem schlichten, alten Tisch im Shaker Stil, dazu passenden Stühlen und hochmodernen Pendelleuchten. Wandaussparungen, die alte Einbauschränke vermuten lassen, wurden zeitgemässe Vitrinentüren aus Glas spendiert. Ein anderer Raum zeigt einen historischen Tisch mit neuer Esszimmerbestuhlung vor Contemporary Art von Imi Knoebel und imposantem Murano-Leuchter.

Der Spiegelsaal ‘Orchideensalon‘ auf Schloss Namedy

Wer dagegen Haus und Hof gewinnbringend einsetzt um den Unterhalt des Familienbesitzes zu sichern und ihn nicht nur als privaten Rückzugsort nutzen kann, lässt sich, zumindest vor den Augen der Öffentlichkeit, nicht wirklich auf Experimente ein. Die Interiors bleiben der Tradition verpflichtet, allenfalls per Wandfarbe werden – wie im pinkfarbenen Rittersaal von Schloss Namedy – starke, neue Akzente gesetzt. Und für einen Moment lässt sich erahnen welche Schwierigkeiten selbst ein so kleiner Akzent im Gerangel mit dem Denkmalschutz auslösen kann. Meist kommt der Betrachter über die Eingangshalle und den Blick in einen der repräsentativen Salons nicht weiter. Private Einblicke suggerieren Schlaf- und Wohnräume, die im Hotelbetrieb zu Vermietung bereit stehen.

Wandbespannung mit Illusionsmalerei und überdimensionierter Muranoglas-Lüster auf Schloss Lehrensteinsfeld

Festivals, Musik-Veranstaltungen, Ritterspiele, Poloturniere, Hotel- und Eventvermietungen sowie die forst- und landwirtschaftliche Nutzung etwas als Weingut, aber auch Umwandlungen in Golfplatz oder Urnenpark – die Gräfinnen und Freifrauen nutzen die Ressourcen der Burgen und Schlösser klug und vielfältig. Wirkungsvoll die fotografischen Inszenierungen der Protagonistinnen mit Fotos von Stefan Schaal. Die vielen ganzseitigen Portraits visualisieren wo die Schwerpunkte von Jeannette Gräfin Beissel von Gymnich Buchliegen. Nicht auf den Interiors, statt dessen werden leichten Tons Familiengeschichten mit Geschichten von heute verquickt. Und nicht auf eventuellen Schwierigkeiten, die die mutigen, toughen Hauptdarstellerinenn ganz ladylike nur am Rande streifen. Wer sich dagegen wann über wen kenenngelernt hat und wie es dann zur Hochzeit kam – etwas Glanz und Gloria gehört anscheinend auch zum modernen Märchen dazu…

Rosalie Freifrau von Landsberg-Velen, Schlossherrin des Titelfoto-Objekts, gibt als eine der wenigen privat anmutenden Einblick

Für wen… Für die anspruchsvolle Bunte-Leserin, die fundierten Hintergrundgeschichten nicht abgeneigt ist und schon immer einmal wissen wollte wie Blaublüter wirklich leben. Für Festival-Besucher, die etwas mehr sehen wollen als die normalerweise öffentlich zugänglichen Bereiche. Und für Schloss-Fans, die nach Hintergrundinfos über ihr nächstes Reiseziel suchen.

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