Bergwärts

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Mirko Beetschen, Stéphane Houlmann, DVA Verlag, 207 Seiten, Format 28,5 x 23,5/ HC

Zeitgemäß Wohnen in den Schweizer Alpen. Ausgesuchte neue und alte Domizile von Davos bis ins Berner Oberland quer durch die gesamten Schweizer Berge. Grand Hotel trifft auf altes Stallgebäude oder klassisches Bergchalet – die ausgewählten Refugien könnten unterschiedlicher nicht sein. Allen gemeinsam ist der Respekt vor Tradition, ein behutsamer Umgang mit Vorhandenem in Kombination mit kompromissloser ‚Entstaubung‘ ausgerichtet auf die heutigen Bedürfnisse der Bewohner. Die Autoren Mirko Beetschen und Stéphane Houlmann, beide Schweizer, stellen in ihrem ersten gemeinsamen Buchprojekt 15 Wohnsitze der Reihe nach vor. Die daraus resultierende Bekanntschaft mit den Bewohnern erweist sich als in höchstem Maß inspirierende Rundreise nicht nur durch die Schweiz, sondern ebenso als Rundreise durch zeitgemäße Alpine Baukultur.

Das Drachenschloss im vanillefarbenen Gewand, rechts das Turmzimmer
Chaletwohnung in Klosters, die antiken Bretterlstühle wurden im neuen Farbkonzept lackiert und stehen in der ganzen Wohnung verteilt

Ein klassisches Holzhaus überrascht mit einem Farbkonzept in Meeresfarben, eine Chaletwohnung in Eichenholz überzeugt durch behutsame Neuinterpretation jenseits gängiger Skihütten-Klischees. Als optische Ruhezone erklärt sich ein Neubau in den Tessiner Weinbergen – so spektakulär der moderne Holzkubus auf den ersten Blick erscheinen mag, so unprätentiös gibt sich dessen Innenraumgestaltung mit schlichten Tannenholzdielen und viel Freiplatz. Oftmals erzeugten gerade die den Bauherren entgegen gesetzten Widrigkeiten neue Lösungsansätze. Kämpfen die einen mit feuchter Aussenwand, der mit einer neu gemauerten, geheizten und mit Schaffellen eindeckten Bank entgegnet wird, so gelingt es anderen durch einen architektonischen Befreiungsschlag Licht ins Haus zu holen: die Räume zur vorgelagerten Scheune hin wurden geöffnet und in die Holzlattung der Scheune große Fensterläden gesägt. In einem anderen Bergwärts-Objekt wird in die ursprünglich kleinteilig verwinkelten Innenräumen ein Betonbau eingesetzt, der für optische Klarheit sorgt.

Die ursprüngliche Kassettenholzdecke wurde kombiniert mit neuen Wänden aus Fichtenholz

Interiorkundigen begegnen viele Bekannte im Buch: hier ein Wandanstrich mit Farben von Farrow & Ball, dort ein Gervasoni-Diwan, eine Gubi-Leuchte oder die modernen Klassiker aus der Panton-Saarinen-Eames-Ära, letztere ganz stilecht vorzugsweise in weiß eingesetzt in einem Flachdachhaus aus den frühen Achzigern. Aus in Kubusform gefügte kleine Äste unterschiedlicher Stärke entsteht ein herrlich passendes Beistelltischchen für die in hellem Arvenholz gefertigte Ferienwohnung in Klosters.

In den ehemaligen Stallungen sorgt jetzt eine Fußbodenheizung für Wärme in den neu eingerichteten Hauswirtschaftsräumen

Fazit… Die beiden Profis in Sachen Interior- & Wohn- und Reisereportage zeigen Häuser und Wohnungen, die nicht nur Bergfreunden vorbehalten bleiben sollten, sind sie doch wegweisend für zeitgemäßes Wohnen in Einklang mit handwerklichen Gepflogenheiten der Region. Darüber hinaus bergen sie viele überraschende Detaillösungen und Inspirationen auch für Stadt-Refugien.

| spk, 089Verlag

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