Buch von Ikea

Pflanzen und Wachsen

IKEA, 91 Seiten, 24 x 19cm, HC

Nehmt, was ihr habt. Ein schönes Motto um sich zusammen mit Kindern – oder letztere auch allein – dem kleinen und großen Grün zu nähern. Von der Kresse, die auf Watte wächst, bis zum Tippi an dessen Streben sich Topf-Kletterpflanzen winden bis zum selbstgemachten Ketchup. Wildwüchsige Tipps zum Pflanzen, Gärtnern, Basteln und Essen für Kinder und ihren Familien – zusammengetragen von Maria Thörn, der Sortimentsleiterin der Ikea Kinderwelt.

Transparente Herbarium-Box aus dem stärksten Kapitel ’Basteln’

Wunderschön stimmungsvolle Fotos, überwiegend aufgenommen in Privatwohnungen, die so ganz ohne Ikea-Produkte auskommen und sich deshalb auch nicht hinterrücks als Quasi-Schleichwerbung präsentieren. Man nimmt den Machern von Ikea ab, dass sie in erster Linie Phantasie anregen und zur Kreativität verleiten wollen: Urban Jungle aus Kinderhand.

Flatlay-Aufnahme mit ’Werkzeugen’

Konkrete Infos suggerierende Flatlay-Aufnahmen von Werkzeugen wie Löffel, Joghurtbecher, Eierkarton und der kleinen, hölzernen Pommesgabel als Harke lassen sich noch sanft belächeln und sind nicht völlig aus der Luft gegrifffen. Auf Watte gezogene Keime wie Quinoa, Linsen oder Mungbohnen sind sogar Erfolg verheißend. In Wasser wurzelnde Pflanzen, an einer Leine vor regennassem Fenster hängend, sehen hübsch aus. Die Fotos unterstützende Illustrationen im Kinderhand-Style zwischen Aquarell und Anleitungs-Skizzen sind stimmig.

Vorm Fenster hängend sind die Wurzeln in den transparenten Tütchen besonders gut erkennbar

Die 91 Seiten versprechen pralles Kinder-Bastel-Vergnügen unter Ikea-Anleitung. Aber wie so oft bei den Anleitungen des großen Möbelhauses: Enttäuschungen sind vorprogrammiert. Was für den Laien nachvollziehbar aussieht, ist in der Praxis oft schlichtweg nicht durchführbar. Böse Zungen wie meine etwa würden als Kommentar zu Seite 18 behaupten, dass bei der blühenden Kapuzinerkresse in der schön verzierten Pappschachtel ordentlich gefakt und von einem blühenden Großexemplar eine Triebspitze fürs Foto in Erde gesetzt wurde. Auch bei den Tomaten tragenden Pflänzchen in dunkler Schreibtischecke auf den Seiten 28/29, angeblich aus Samen gezogen, sind erhebliche Zweifel angebracht und die haben nichts mit der Lichtquelle zu tun. Ob diese sich als ausreichend erweisen würde, wage ich in Frage zu stellen. Aber hoffen wir dass die Kleinen so fit sind zu wissen, dass ohne Bienen zum Bestäuben nie eine Tomate wachsen wird und das Ganze auf den Balkon verfrachten.

Phantasievolle Pflanzstäbchen – spätere Verwechslungen ausgeschlossen...

So ließen sich sicherlich noch einige weitere der Darstellungen ins Reich der Fabeln verweisen. Wer nicht alles für bare Münze nimmt, selbst etwas Ahnung hat, für den ist das Buch trotz allem eine wirklich schöne Anregung. Das Preis-Leistungsverhältnis zumindest ist stimmig. Gemein wird’s aber, und genau deshalb gibt’s ordentlich Punktabzug, wenn die Kleinen den Ikea-Anleitungen folgen, hoffnungsvoll ähnliche Resultate erwarten und die Enttäuschung vorprogrammiert ist.

Für wen...  Für DIY-Fans mit etwas grünem Hintergrundwissen, für Bastler, die aus Kartonagen Wunderwerke zaubern können und bei denen die grüne Bepflanzung nur Zweitbesetzung ist.

 

Buchrezension | Susanne Perk-Kuhlmann