Handwerk & Design

Handwerksmesse 2017 – Handwerk & Design auf der IHM

Exponate des Ausstellungsbereichs 'Meister der Moderne'

München, die Schmuck-Stadt. Als ehemalige Königsstadt mit seinen Hofjuwelieren blickt München auf eine lange Tradition zurück. Zahlreiche Goldschmieden und Schmuckgalerien mit internationalem Renomee sind neben herausragenden Veranstaltungen der Branchen bis heute in der bayrischen Metropole zu finden. Als jährlicher Fixpunkt der Schmuckliebhaber gilt die Sonderschau SCHMUCK auf der Handwerksmesse. 66 Teilnehmer aus mehr als 20 Ländern präsentieren ihre Arbeiten – sie sind modern, innovativ, manchmal provozierend und oft stilprägend. Flankiert wird die Sonderschau von zahlreichen Ausstellungen und Events rund um's Thema in den Münchner Schmuckläden.

Junges Kunsthandwerk mit interessanten, neuen Denkansätzen auf der TALENTE

Ein Besuch in der Halle B1 auf der Internationalen Handwerksmesse – Design im Sinn... Die Halle B1 teilen sich Aussteller mit Schwerpunkt Handwerk und Design, dazu gehören die Ausstellung TALENTE, die EXEMPLA, die Sonderschau SCHMUCK und der Stand MEISTER DER MODERNE. Eine Sonderstellung unter den Ausstellern nimmt der imposante Stand des BKV, des Bayerischen Kunstgewerbevereins, ein und zeigt Angewandte Kunst und Kunsthandwerk innerhalb seines klar und großzügig gestalteten Messestandes und leitet räumlich über zu den Ständen der EXEMPLA. Die Halle zu finden gehörte zu den spielend zu bewerkstellenden Aufgaben an den Besucher – sich dann innerhalb der Halle wirklich zurechtzufinden wird zu einer echten Herausforderung. Deshalb unser Tipp: sich einfach an den Einzelkomponenten erfreuen...

Exponate aus dem Sonderbereich 'Meister der Moderne'

Keramik ist ein zentrales Thema der Internationalen Handwerksmesse

Wir aber wollten es genau wissen und hatten insbesondere SCHMUCK im Visier – steht München doch in der Zeit der Internationalen Handwerksmesse im Interesse der internationalen Schmuckszene. Nicht nur die Messeteilnehmer machen dabei von sich reden, auch die Qualität des in den Münchner Galerien  und Schmuckläden laufenden Rahmenprogramms erweist sich als Magnet für Schmuckliebhaber aus der ganzen Welt. 

Zu bestellen unter designguide@ 089verlag.de

Die Atmosphäre in der Stadt ist durch die internationalen Besucher einzigartig – davon profitieren nicht zuletzt auch viele der Münchner Geschäfte, denn viele Gäste verbinden den Messebesuch mit einem Städtetrip. Das Rahmenprogramm 'Schmuck in München' ist hier einzusehen, einfach auf den farbig hinterlegten Link klicken. Schmuckinteressierten für Schmuck in München sei an dieser Stelle ausserdem das verlagseigene Schmuckbuch 'Schmuckstücke – Schmuck in München' aus der Landmark Notes -Reihe empfohlen.

Sonderschau 'Exempla'

Trinkbecher neben kunstvollen Keramik-Urnen und Särgen aus Keramik bei Julian StairTeilnehmer des Sonderbereichs EXEMPLA wurden buchstäblich erhöht und deren Stände sind über die optisch ansprechenden Podeste klar zuzuordnen – ein großes Plus zur Orientierung und ein Lösungsansatz, den man den anderen Gruppierungen auch wünschen würden. Unter dem Motto 'Höchstleistungen erleben' macht die alljährlich unter einem anderen Thema stehende Sonderausstellung dem Besucher industriell genutzes Handwerk zugänglich, führte technische Spitzenqualität, gepaart mit handwerklicher Finesse, vor. Vom höchsten technischen Know How behaftetes 'Segeltuch' bei Aeronautec bis zur formschönen Ziegelstein-Innovation bei Petersen.

'Schmuck‘ auf der Internationalen Handwerksmesse

Großformatige Halskette von Melanie Nützel

Broschen wie Wunderkammer-Objekte von Anja Eichler

Fließend sind die Grenzen der Meister der Moderne (Foto Abb. 1/ganz oben) zu den Jungen Talenten und den kommerziellen Anbietern, die mal mehr, mal weniger passend zwischengestreut wurden. Die nachträgliche Suche über die Website der Ihm.de ist mühsam und nicht unbedingt zu empfehlen. Auch wir ließen übrigens, trotz anfänglich könträrer Zielsetzung, irgendwann einfach die ausgestellten Exponate in ihrer zeitlosen Schönheit auf uns wirken...

Anhänger an Textilfäden von Lucie Houdkova

Imposante Halsketten Galerie Marzee

Die Messemacher versprechen 'Schönes zum Anfassen‘. Der Leitfaden zur SCHMUCK, der Internationalen Ausstellung mit Weltruf, lautete: 'Edel, modern oder mit historischen Anklängen – so vielfältig wie die Stile sind auch die ausgestellten Arbeiten. Junge Goldschmiede und bekannte Schmuckgestalter zeigen Werke von faszinierender Ausdrucksstärke und bezaubernder Schönheit.'

Dem können wir uns nur anschließen, die komplette Ausstellung in ihrer Gesamtheit aufzuzeigen würde den Rahmen hier allerdings sprengen. Was aber auffällig war und sich quer durch alle Schmuck-Sonderschauen, sowohl vom BKV als auch der Schmuck-Sonderschau, zwischen Exempla und Talente-Areal, abzeichnete war das Credo 'Big is beautiful'. Ausschließlich überdimensioniert großer Schmuck hatte als Exponat eine Chance. Museal ausgerichtete Schmuckarbeiten – eher Angewandte Kunst als real tragbarer Schmuck – scheinen vorrangig eine Option auf einen der begehrten Ausstellungsplätze zu haben. Zeitweise ermüdeten die Dimensionen der überwiegend mehr als faustgroßen Broschen und riesigen Ketten – Schmuck, der eine Bühne sucht und diese auf zurückhaltend schwarzer Kleidung findet, die seine Wirkung nicht schmälert.

Portraits im Stil der Alten Meister auf dem Stand der niederländischen Galerie MARZEE

Versöhnlich stimmen in diesem räumlichen Kontext die Portraits  im Stil Alter Meister auf dem Stand der niederländischen Galerie Marzee, Ergebnis einer Zusammenarbeit der Professorinnen Renate Heintze und Dorothea Prühl auf Burg Giebichstein. Fast schon ironisch die gesamte SCHMUCK-Schau charakterisierend, zeigten sich die ausgesprochen wirkungsvollen Fotografien von Johannes van Camp. Auf den Portraits genauso wie in den Vitrinen: Zum schmückenden Accessoires läßt sich keines der gezeigten Schmuckstücke verwenden, alle sind klarer Statement-Schmuck, der keine anderen Götter neben sich sehen will.

Stand Galerie Spektrum

Dagegen mutete der Schmuck der Galerie Spektrum, übrigens einer der ausgesprochen interessant gestalteten Stände auf der Messe und in München nicht unbedingt für die Tragbarkeit der in der Galerie ausgestellten Exponate bekannt, geradezu dezent an. Weiter vorne in der Halle stellte sich z.B. Margit Auffanger mit leidenschaftlichem Juwelenschmuck, Katharina von der Marwitz mit ihrem kraftvollem, die Goldschmiede Buschmann mit traditionell geprägtem Schmuck, Verena Jewelry mit individuellem Perlenschmuck der musealen Ausrichtung entgegen und boten einfach schöne, schmeichelnde Schmuckstücke.

Aussteller Halle B1 Handwerk und Design

Mundgeblasenes Glas von Ingrid Donnhauser, in München zu beziehen bei Eva's Glas

Blick auf den wirkungsvollen Messestand von Rinneberg gestalt

Neben den Sonderschauen blieben einige andere Stände im Gedächtnis haften – darunter vor allem die aus dem reinen Präsentations-Verkaufs-Modus herausragenden, auffallend schön oder liebevoll gestalteten Messeflächen... Stark war der Auftritt von Claudia Rinneberg unter dem Label 'Rinneberg Gestalt' vor anthrazitfarbener Wand, der die Möbel im Rawdesign so richtig zum Leuchten brachte. Handmade Vintage-Möbel von zarter Frauenhand ; )

Glaskunst vom Atelier Scholle-Deubzer

Zufällig auch mit schwarzem Hintergrund und ebenso wirkungsvoll in Szene gesetzt die Lichtobjekte aus geblasenem und veredeltem Glas vom Atelier Scholle-Deubzer. Rechter Hand flankiert wurde die schwarze Koje von den Objekten der Glaswerkstatt Cornelius Réer – genial schlicht in Szene gesetzte, zarte, funktionale Glasobjekte. Der Stand zeigt, dass nicht viel Aufwand nötig ist um ein hinreißendes Arrangement zu erzielen, nicht nur vor schwarzer, sondern auch vor einer einfach weißen Wand... Farbiger Blickfang war ausserdem der Stand von Ingrid Donnhauser mit wunderschön aufeineinder abgestimmten Glaskollektionen. Die bunt-farbigen Serien kennen Münchner von Eva Seitz' Laden für Glaskunst in der Maxburg 'EVA'S GLAS', für den direkten Draht einfach auf den farbig hinterlegten Link klicken... Neu für uns war die Linie in den zartmatten Retrofarben mit akzentuiertem, weißen Rand.

Fazit: Zu Recht eine der prägenden Messen weltweit und für Designinteressierte Pflichttermin. Wer es nicht bis zur Messe schafft geniesst das Rahmenprogramm das oft auch bis in die Abendstunden reicht.

| spk, 089VERLAG