Designguide Städtetour

25 hours Bikini Hotel + Styleguide Berlin by Designguide München

Designguide unterwegs | Auf den Spuren des Styleguide Berlin. Buchbesprechung, Hotel-Beschreibung und Städtetour in einem Bericht verquickt. Ergänzungen durch befreundete Locals inklusive... Als neuer Hot Spot hochgelobt ist das Bikini-Haus samt Hotel doch mehr als nur Hipster-Hochburg oder Location für Modemesse & Co. Schnell erweist sich der Bikini-Komplex als inspirierender Ausgangspunkt für ausgedehnte Touren. Direkt neben dem Tiergarten, U-Bahn-Station und in unmittelbarer Nähe der Gedächtniskirche positioniert sind Hotel samt angeschlossener Mall im Bikini Berlin perfekt gelegen...

Blick auf die Bakery im Entree des Bikini Hotels Computer-Arbeitsplätze in der Lobby mit Blick auf die RezeptionMutter mit Tochter, zwei Generation unterwegs in Berlin. Die hier folgenden Beschreibungen als ausgewogenes Fazit dieser Konstellation: nicht immer gleicher Meinung, aber – mal mehr, mal weniger – wohlwollend den Blickwinkel des anderen gelten lassend. Ankunft Sonntag Nachmittag, Abfahrt Mittwoch Vormittag. Knapp 3 Tage für die deutsche Hauptstadt, ein Mammutprojekt. Ein bisschen Kultur sollte es sein, viel von der Stadt, viel Inspiration, und noch viel mehr Kaffee, denn schließlich lässt sich kein Ort besser erleben als über seine Straßencafés. Erprobte Metropol-Reiseduos teilen ihr  Essen gern, schließlich warten weitere entzückende Cafès schon an der nächsten Ecke, und schütten ausserdem Unmengen von Wasser und flüssigen Fitmachern in sich hinein. Je mehr davon, desto mehr Stationen lassen sich erkunden.

Der Lounge-Bereich des Hotels

Doch zunächst galt es die neue temporäre Heimat, das von Werner Aisslinger gestaltete Bikini Hotel zu erkunden. 'Come as you are' als willkommen heißende Parole auf den Zimmern. Die öffentlichen Bereiche im Erdgeschoß sind großzügig im lässigen Loftstyle ausgestattet. Moderne Designermöbel treffen auf Vintage & Upcycling-Effekte wie die Pflanzenwand im Palettendesign und der den Raum prägende XXL-Paravent aus alten Lautsprecherboxen. Farbe wird gerne eingesetzt. Die an die Lounge angrenzenden Meeting-Räume sind wirkungsvoll durch bunt verglaste Kubusse akzentuiert und bieten variabel bestückbare Konferenz- und Vortragsräume. Wunderbarer Sichtbeton und die großen Fensterfronten dominieren die öffentlichen Hotel-Räume.

Gelungene Begrüßung auf dem ZimmerDie Leuchte mit der höchsten Lichtausbeute ; )Näher betrachtet hat die urbane Lässigkeit ihren Preis. Die nicht abstellbaren, farbigen Lichteffekte auf dem Zimmer nerven, insgesamt ist die Beleuchtung zwar hübsch designorientiert, aber viel zu dunkel. Zum Glück erwies sich die ikealike Garderoben-Beleuchtung als abnehmbar und wurde abenteuerlich an die Designerleuchte neben dem Bett geklemmt – die abendliche Lektüre war damit gesichert.

Das Bikini Hotel am Berliner Zoo

Der kupfernen Wandverkleidung hinter dem Bett hätte eine dezent dosierte Lackschicht gut getan um 'sich abstützende' Hand-Spuren der Vorgänger nicht derart offensichtlich werden zu lassen. Schöne Patina sieht anders aus. Problemstellen gab's auch abseits des Zimmers... 'Berlin per bike' war geplant und eines der etwas größer dimensionierten Zimmer inklusive Fahrrad gebucht um direkt starten zu können. Nicht die unten ausleihbaren, immer ausreservierten Hotel-Räder, die im Übrigen nur absolute Frühaufsteher ergattern können, sondern die designten Fixies des Hotel-Sponsors sind Bestandteil mancher Zimmer.

Eines der Urban Style-Zimmer mit Blick auf den Breitscheidplatz

Wenn sich dann für's Sattel verstellen allerdings kein Imbusschlüssel auftreiben lässt, vom gefühlten Kurzaufenthalt weit über eine Stunde mit Hin und Her draufgeht und man wie bestellt und nicht abgeholt in der heißen Lobby stehen gelassen wird – macht einfach nicht wirklich Spaß. Warum die Rezeptions-Mädels dem Nerv nicht zumindest mit einer kleinen Erfrischung besänftigend entgegen zu wirken versuchten, das verstehe wer will. Die letztendliche Lösung, zu Lasten des Hotels auf den Fahrradverleih gegenüber zurückzugreifen kam jedenfalls nicht vom Hotelpersonal. Das im Übrigen wirklich ausgesprochen nett und bemüht war, wahrscheinlich aber aus größtenteils nicht ausgebildeten Fachkräfte bestand und deshalb samt zur Hilfe gerufenem "Manager für irgendwas" ausgesprochen hilflos agierte. Aber egal, kaum auf dem Sattel fühlte sich Berlin wieder richtig gut an...

Berlin mit Bike und 'Styleguide Berlin'

Erster Tipp aus dem Styleguide Berlin war der Me Collectors Room, ein privater Ausstellungsbau mit Museums-Café und Museums-Shop. Wechselnde Themen-Ausstellungen wetteifern mit der ständigen Ausstellung der privaten 'Wunderkammer Olbricht' auf die das gesamte Haus zugeschnitten ist. Auch die Bestückung des Museumsshops unterwirft sich diesem Wunderkammer-Gedanken und hebt sich damit erheblich von modernen Museumsshops wie z.B. Cedon ab. Nicht besser, nicht schlechter, einfach anders. Im Café unbedingt einen kleinen Snack einplanen, alte Turngeräte und moderne Polsterstühle an zehn Meter langer, derber Holztafel dürfen nicht ignoriert werden. Und lecker war's ausserdem...

Das Mitbringsel aus dem Museumsshop landet nach dem Foto in der privaten Wunderkammer

Café im 'Me Collectors Room' mit Blick auf den Museumsshop'

Um so detailliert mit unserem Berlin-Bericht weiterzumachen wie bei der ersten Station und alle aufgesuchten Tipps zu beschreiben würde den hier Rahmen sprengen. Wir picken deshalb nur einige Beispiele heraus und ziehen damit Fazit zum Styleguide Berlin.

Das vor Ort im Härtetest genutzte Rezensionsexemplar...

Wie der zuvor hier bei den Designguide Buch-Rezensionen bereits vorgestellte Styleguide London ist der Berliner Styleguide unterteilt in für Touristen relevante Stadtteile und folgt dem Motto 'eat, shop, love it'... Verheißungsvoll reiht sich ein Laden an den anderen, Restaurants & Bars zählen genauso zu den Styleguide-Tipps wie Klamotten- & Schuhläden, Papeterie, Concept-Stores und Interior-Shops. Kurze Kommentare und die wichtigsten Facts zum jeweiligen Laden untermauern die Bebilderungen. Stadtteil-Pläne erleichtern die Orientierung. Einige Berliner durften darüber hinaus doppelseitenweise ihren Senf hinzugeben und aus dem Nähkästchen plaudern. Der ideale Tag einer Trendforscherin beispielsweise beginnt mit zwei Stunden Schrebergarten-Arbeit, gefolgt von einer Massage mit heißen Jadesteinen. Danach folgt ein Galeriebesuch und Kino. Aha!, vielleicht hätten sich bei geschickter Nachfrage wertvollere Tipps für Besucher der Stadt herauskitzeln lassen, vielen der Gefragten, große Ausnahme A. Bickenbach, attestieren wir einfach einmal 'Thema grandios verfehlt'. 

Die Barn Roastery, modernes Rough-Design mit Industrial Touch Wir kürzen an dieser Stelle  ab: der Styleguide der Hauptstadt hätte eine andere Betreuung mehr als verdient gehabt. Die beiden Autorinnen, Szenenbildnerin Petra Albert und Shop-Betreiberin Ellen Teschendorf kennen sich zwar von Berufs wegen gut aus in Berlin und haben durchaus auch spannende Tipps auf Lager, verstehen es aber das aufregende, spannungsreiche Berlin in einer Vintage-Soße ertrinken zu lassen. Die Meierei etwa, ein lichtdurchflutetes Cafè & Deli mit hohen, weißen Wänden und Fragmenten alter alpenländischer Wandmalereien wird bei Teschendorf & Albert, trotz schöner Worte, optisch zur abgefuckten Bretterbude degradiert. Die oben abgebildete, von uns etwas aufgehellte Barn Roastery läßt allenfalls erahnen was an modernem Potential in ihr steckt und das mondäne Stue Hotel hat auf dem Weg in die Buchseiten viel von seiner Pracht verloren...

Das haptisch schöne, aber schwer druckbare Naturpapier trägt sicherlich seinen Teil dazu bei Berlin von seiner düsteren Seite erscheinen zu lassen. Doch genauso wie die beiden Autorinnen wirken als hätten sie sich mal eben vom Bahnhofsautomaten ablichten lassen, genausowenig Liebe wurde in die übrigen Fotos gesteckt. Berlin lebt Vintage, ist weniger hip als unangestrengt schön – um so mehr hätte es einen liebevollen Könner gebraucht um die wunderbare Stadt im Vergleich zu anderen Metropolen nicht buchstäblich absumpfen zu lassen. Mit der Zeit entwickelte sich zwar unser Gespür dafür, wie es die beiden Damen gemeint haben könnten, aber im Vergleich zum gerade neu erschienenen, den Kontrast zwischen Modernem und Antikem zelebrierenden Styleguide Paris, entpuppte sich der Berliner Styleguide als kleine Enttäuschung. 

Demnächst mehr, es folgen die Berlin-Tipps der Locals...