Lesley Hoskins

Die Tapete

Parkland Verlag, 272 Seiten, Format 31cm x 22,5 cm

Geschichte, Gestaltung und Techniken des Wanddesigns. Beginnend mit den ersten Papiertapeten des 15. Jahrhunderts über englische Velourstapeten mit rapportierenden Mustern in beindruckender Breite, spektakuläre französische Bildtapeten, Jugendstil- und Bauhaus-Tapeten bis zu Tapeten der neueren Zeit. Führende international tätige Fachleute steuerten Beiträge bei, darunter auch Sabine Thümmler, deren Buch Tapetenkunst wir bereits vorstellten.

Handdruck-Papiertapete mit sichtbaren Stoßkanten, ca. 1760

Lange Zeit in Mißkredit geraten erlebt die Tapete seit ein paar Jahren ein erneutes Comeback. Folgen wir der Geschichte der Tapete und begeben uns mit Lesley Hoskins auf eine Zeitreise quer durch die Kontinente. Wer, wann und wie genau diese Wandbilder früherer Zeit geschaffen wurden - Hoskins und ihre Papier-Experten halten genaue Daten und historische Fakten für uns bereit. Die Tapete als Abbild der Kulturgeschichte und industriellen Entwicklung...

Bei diesem Tür- und Wandentwurf deutet sich die Verbannung reich verzierter Wandbilder zugunsten prächtiger Friese an

Plakatentwurf von ca. 1890 der auf den Beginn jährlich wechselnder Kollektionen hinweist

Die Geschichte der Tapete beginnt mit einzeln bedruckten, gemusterten Papieren, den Buntpapieren, die in den Haushalten als Zierrat sehr begehrt waren. Verwendung fanden sie als Auslegeware, mit ihnen wurden Gegenstände geschmückt und Wände beklebt. Aufgedruckte Ornamente bildeten Bestandteile von Bordüren, in der Renaissance etwa wurden ganze Decken mit diesen bedruckten Papierbögen oder einzelnen, ausgeschnittenen Rosettenmustern verziert. Einfache Schwarzdrucke wurden mittels Schablonentechnik farbig verschönert. Vom Domino-Papier zu den wertigen 'Papiers de Tapisserie', eine schnell wachsende Papierindustrie machte zum Übergang ins 18. Jahrhundert raffiniertere Muster und bessere Qialitäten möglich.

Minuziös beschreibt Die Tapete Tapetengeschichte, zeigt Gobelins aus Papier und Fragmente englischer Papiertapeten, erklärt Kattunpapiere und die Entstehung der Velourtapete, dem mit pigmentierten Wollstaub beflocktem Papier auf das sich englische Firmen als erste verstanden. Vermittelt die Faszination der Chinoiserien im frühen 18. Jahrhundert: handbemalte Papierbahnen stellten wahre Kostbarkeiten dar, erzählten Geschichten einer anderen Welt und wurden mit gebührender Aufmerksamkeit bedacht. Wie Wandpaneele strukturiert wurden, wann landschaftliche Szenerien en vogue waren und wodurch Stilwandel wie die eben beschriebenen ausgelöst wurden - Hoskins läßt keinen Aspekt der Tapetengeschichte aus.

1960er Jahre, die blaue Rose rechts war übrigens ein Bestseller dieser Jahre

Deborah Bowness mit Entwurf 'Hooks and Frocks'

Hoskins macht auch mit der Tapetengeschichte neuerer Zeit bis ca. 2005 vertraut, zeigt den Beginn der Abwendung von kleingemusterten, unauffälligen Mustertapeten hin zum heute gern verwendeten, raumfüllenden Digitaldruck wie sie Deborah Bowness mit 'Hooks and Frocks' erfolgreich als eine der ersten initiierte, siehe Abbildung oben.

An Fahrt gewinnt das Buch noch einmal mit seinem Postskriptum zum 'Erhalt und Pflege der Papiertapete', einem informativem Kapitel zur behutsamen Tapetenablösung, Tapetenlagerung und Restaurierung. Auch wenn das Kapitel keinesfalls als Anleitung zu verstehen ist, es liest sich dennoch spannend.

Für wen... Für den sehr interessierten Laien als Einstieg genauso geeignet wie für Fachleute, die sich einen ersten Überblick verschaffen möchten. Auch wenn erstere nicht jedem Kapitel gleiche Aufmerksamkeit widmen werden, die begleitenden, zahlreichen Fotos geben einen ersten Anhaltspunkt dazu was von Interesse sein könnte. Die Texte selbst lesen sich durchaus vergnüglich, das Thema insgesamt dürfte auch Grafiker und Künstler interessieren...

| spk, 089VERLAG