Ernst Häckel inspiriert

Die Faszination der Meeresgeschöpfe

Geheimnisvolle Meereswesen waren die heimlichen Stars der europäischen Wunderkammern des Barock, inspirierten die französischen Libertins des 17. Jahrhundert bei der Ausgestaltung ihrer Liebesgrotten und Gärten und beflügelten die Phantasien des Bürgertums: Korallen, Nautiluspokale, Seeigel und Strahlentiere, Seesterne oder Kugelfische – Naturforscher Ernst Häckel betörte mit seinen faszinierenden Zeichnungen der Strahlentiere, Quallen oder Anemonen Wissenschaftler und Künstler-Kollegen gleichermaßen. Die moderne Tiefseeforschung erhellte im 20. Jahrhundert die dunkle Welt der Ozeane und gewährte Einblick in den bis dato völlig unbekannten, maritimen Kosmos. 

Blick in eine kleine, private Wunderkammer

Geheimnisvoll illuminierte, transparente Wesen schwebten neben Geschöpfen, die direkt den Phantasien der Science-Fiction-Autoren entsprungen zu sein schienen. Futuristisches Design neben ‚archaischer Klassik’ – das Meer birgt einen schier unendlichen Fundus an Formen, Farben und Funktion. Ob für Kunst, Design oder Wissenschaft, die Strahlkraft der Meeresgeschöpfe ist ungebrochen, die außergewöhnlichen Formen der Meerestiere inspirieren Kreative seit jeher...

Schatzkiste von Papierkünstlerin Barbara Kleiber-Wurm

Unter den Händen der Papierkünstlerin Barbara Kleiber-Wurm beispielsweise, verwandelt sich Papier in filigrane, kleine Fächerkorallen und Medusen, Blumentiere und Seepocken standen Pate für luftig-leichte Papierskulpturen. Zarte, transparente Kunstwerke mit großer Wirkung – verblüffend gelungene Hommage an die bizarren Meereswesen, kunstvoll und dekorativ gleichermaßen. Bereits im München-Notizbuch Landmark Notes 'Arts, Crafts & Coffee' gehörten die entzückenden Papiergeschöpfe der Münchner Künstlerin zu den herausragenden Entdeckungen. Die oben abgebildete kleine Blechdose stammt aus dem Fundus der Künstlerin und zeugt von der dekorativen Wertschätzung der Meerestiere im frühen 20. Jahrhundert.

Medusa aus feiner Keramik mit Reliefdekor von Barbara Kast

Die poetische Keramik von Barbara Kast rückt neben der bezaubernden Form von Medusen oder Seeanemonen Struktur und Oberflächen der Tiere in den Fokus und kreiert Objekte von fast entrückter Schönheit. Ein Reliefdekor überzieht die Gefäße und bildet so die Muster der Geschöpfe perfekt nach. Medusen sind auch das Thema von Anne Pincus. Ihre durchsichtigen Drahtskulpturen beschäftigen sich mit dem haptisch Unerfassbaren der durchscheinenden Meerestiere und waren zuletzt in der Galerie Werkschau in München zu sehen.

Mit welcher Leidenschaft schon im 18. Jahrhundert beobachtet, gesammelt und nach dem Abbild der Natur gezeichnet wurde offenbart diese inspirierende Adresse von der auch die Buchabbildung oben stammt. Mit über 165.000 Seiten aus 526 Büchern verfügt die BioLib-Web-Bibliothek über eine gigantische Sammlung historischer und moderner Biologie-Bücher. Von versteinerten Seeigeln, floralen Zeichnungen bis zu wunderschönen, farbigen Retro-Abbildungen geflügelter Lebewesen... – viele davon aufgrund ihres Alters lizensfrei als Vorlage zu nutzen.

Faszinierende Meeresgeschöpfe in München

Lilli & Karl bannt Sanddollar und Korallen auf Büttenpapier, fertigt Keramikabdrücke  von Seeigeln und verwandelt diese in ‚ozeanische Preziosen’. Als Ring, Ohrring oder Halskette schmücken die regelmäßigen Formen der Tiere die Damen, als Briefbeschwerer oder Deko-Objekt fügen sie sich wunderschön in unterschiedliche Inszenierungen und bestücken den modernen Setzkasten genauso wie das private Naturalien-Kabinett. Da Besitzerin Antje Lehner ebenso wie die Designguide-Redaktion von der Leidenschaft für diese frühen Wunderkammer-Bewohner befallen ist, dürfen in der kleinen Laden-Werkstatt in Haidhausen auch Sonderanfertigungen rund ums Thema in Auftrag gegeben und besprochen werden: Gutscheine, Steinfriese, dekorative Grafiken und Schmuckstücke wie Cluster-Ketten mit Seeigel und persönlichem Erinnerungsstück. 

'Ozeanische Preziosen’ von Lilli & Karl

Deko-Objekt in Form eines Seeigel-Skeletts von Lilli & Karl

Neben Fürstenhäusern sammelten durchaus auch vermögende Bürger 'Naturalia', wie Pflanzen, Tiere und Fossilien der Wunderkammern genannt wurden. Prominente Vertreter solcher privater Sammlungen waren Johann Wolfgang von Goethe und Alexander von Humboldt. Aber auch weniger illustre Zeitgenossen wie der Pfarrer und Pädagoge August Hermann Francke sammelten mit großer Leidenschaft. Dabei spielte neben wissenschaftlichen und künstlerischen Interessen oftmals gesellschaftliche Reputation und Präsentation von Wohlstand eine nicht unerhebliche Rolle.

Dekorativer Pokal mit versteinertem Meeresgetier

Kunstvoll wurden Korallen neben Schädeln und alten Präzisionsgeräten, Globen neben Walzähnen und Fossilien in Glasvitrinen und eigens gebauten Schränken präsentiert. Mit eine bisschen Glück finden sich auf Antikmärkten oder bei Antiquitätenhändlern die fantastischen Überbleibsel privater Kollektionen. Ralph Taut Interiors beispielsweise zeigt aufs trefflichste welch dekoratives Potenzial den Meeresgeschöpfen bis heute innewohnt. Er inszeniert Fächerkorallen und Seepocken auf Holzfüßen, Steinkorallen machen zwischen Silber und Glas eine wunderbare Figur - eine große Auswahl wunderschöner Korallen finden sich auch bei Palma Kunkel Antiquitäten. Für passionierte Sammler findet sich sicher bei ihm oder im Münchner Kunst- und Antiquitätenhandel ein Objekt für die eigene private Wunderkammer. 

Noch mehr Ansichten dieser formenreichen Meeresgeschöpfe finden sich hier in der Bildergalerie...

Meeresgeschöpfe bei Fine Crafts & Keramik

Susie Colquitt und Karyl Sissons geheimnisvolle Kunstobjekte scheinen ebenfalls dem Meer entsprungen, Assoziationen zu Seeanemonen oder Stacheligeln drängen sich auf. Karyl Sissons kleines 'Schiffchen' besteht aus in traditioneller Korbflechtetechnik entstandenem Vasen-Objekt das sich durch die eingesteckten Haarnadeln zum geheimnisvollen Stachel-Geschöpf wandelt. Er st die Vergrößerung offenbart bei Colquitts skulpturalen Objekt den meisterhaften Umgang mit profanem Ausgangsmaterial: durch geschickte Drehung wurden aus Reissverschlüssen sanfte Stacheln.

'Artverwandte' von Susie Colquitt und Karyl Sisson, ©Fotos Maggie Winters Photography

Skulpturales Fine Crafts-Objekt von Susie Colquitt

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